Der Marktplatz ist das historische Zentrum Wittichenaus: 1248 dem Kloster Marienstern übereignet, 1286 als „civitatem Witegenhaw“ erwähnt, erhielt er 1349 das Marktrecht und wurde mit Brau- (1356) und Salzrecht (1438) zum regionalen Handelsplatz. Einst standen hier Rathaus, Brauhaus, Wasserbehälter und seit 1732 die kurfürstliche Postsäule; der Reihen-/Klappenschank der rund 95 brauberechtigten Hauseigentümer endete 1883, das Brauhaus 1884. Der Markt war zugleich Gerichtsort nach Magdeburger Recht (1303–1849) mit letzter Hinrichtung 1715. Johann von Schadowitz handelte hier erfolgreich (u. a. Pferde, Karpfen), wurde Hoflieferant und fand mit dem Vorwerk Särichen in der Nähe seine Altersheimat.

Der Marktplatz von Wittichenau bildet das Zentrum des vormals kreisrund angelegten und durch einen Stadtgraben umschlossenen Ortes, dessen Gründung durch die Herren von Kamenz (vormals „von Vesta“) erfolgte und von diesen 1248 an das Kloster Marienstern übereignet wurde. 1286 erwähnen die Brandenburger Markgrafen Otto und Konrad in einer zu Crossen ausgestellten Urkunde „civitatem Witegenhaw“. Die Grund- und Schutzherrschaft des Städtchens Wittichenau ist damit dem Klosters Marienstern übertragen worden.

Am 11. Oktober 1349 erteilte Kaiser Karl IV. dem Kloster Marienstern als Ersatz für die durch seine Truppen beim Kriegszug gegen den Markgrafen von Brandenburg in den Klosterdörfern angerichteten Schäden die Vergünstigung, dass u.a. Wittichenau jeden Dienstag einen Wochenmarkt abhalten dürfe. Mit der Erteilung dieses Marktrechtes entwickelte sich das kleine Städtchen  Wittichenau in den nachfolgenden Jahrhunderten zu einem gut besuchten Handelsplatz seiner Region. Dafür sorgten nicht zuletzt das 1356 erteilte Braurecht und das 1438 erteilte Salzmarktrecht, sondern auch die in der Mitte des 15. und noch bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts bestehenden Gebäude des alten Rat- und Brauhauses der Stadt. Bis 1830 zählte man bereits 4 Krammärkte pro Jahr und jeweils ein Wochen- und Viehmarkt und einen Getreidemarkt pro Woche. Leider war es aber auch so, dass der schwunghaft betriebene Viehhandel in Wittichenau für die angrenzenden Ortschaften, wie z.B. Kamenz und Bautzen, einen beständigen Infektionsherd bildete. Aus Wittichenau gehandeltes Vieh wurde in jener Zeit nicht selten für eine Verbreitung der Maul- und Klauenseuche verantwortlich gemacht.

Mit der Verleihung des Marktrechtes an die Stadt im Jahre 1349 wird der Markt im Jahreskreis nicht nur für den Handel, sondern auch immer wieder für traditionelle Veranstaltungen, für kirchliche und kulturelle Feste, für Feierlichkeiten oder einfach für freundschaftliche Begegnungen genutzt. Kirche und Glaube, Karneval und Bier sind daher keine Gegensätze in Wittichenau. Das österliche Kreuzreiten, der Wittichenauer Fasching, die Bier- und Brauereifeste, das Maibaumstellen oder das Schützenfest, der Weihnachtsmarkt und viele andere Feste und Veranstaltungen bestimmen seit sehr langer Zeit das Kultur- und das Marktleben der Stadt. Und die drei großen mit dem Marktplatz verbundene Straßen teilen den Ort sternenförmig ganz so, als ob die Stadt selbst mit ihrem Markt ein Mercedesstern unter den oberlausitzer Kleinstädten ist. 

Vormals sah das Ensemble des Marktes auch noch ein klein wenig anders aus. Wie schon erwähnt, stand damals mitten auf dem Marktplatz nicht nur das Rathaus, sondern auch das mit einem großen Walmdach mit Lüftungsklappen versehene Brauhaus. Gleich nebenan, in Richtung Bautzner Straße befand sich der das Brauhaus versorgende große achteckige und mit einem Holzdach überdachte Wasserbehälter und die 1732 aufgestellte kurfürstliche Postsäule mit einem Haltepunkt für die Postkutschen. Rings um das Brauhaus und fasst bis zum Rathaus hin, spendeten Lindenbäume in den Sommermonaten angenehmen Schatten. Und in den am Markt und den drei Seitenstraßen angrenzenden Gebäuden hatten rund 95 Hauseigentümer das Recht Bier zu brauen. Der Ausschank des Bieres, den man Reihen- oder Klappenschank nannte, erfolgte in geeigneten Bierstuben der Hauseigentümer, die ihre Schanktage durch das Aushängen eines geschnitztes Bierglases in einem Holzkranz kenntlich machten. Oft und gern wurde dieser Bierschank insbesondere an den Marktagen angeboten und genutzt und so für die Händler und Besucher des Marktes gleichermaßen für einem gemütlichen und feuchtfröhlichen Abschluss gesorgt. Erst zum 1. April 1883 wurde dieser Reihen- oder Klappenschank behördlich verboten und das Brauhaus im April des Jahres 1884 abgebrochen. Der frei gewordene Platz am Markt ging für 900 Mark in den Besitz der Stadt über. 

Der Markt steht aber auch für eine strenge Gerichtsbarkeit der Stadt, die sie mit Erteilung des Untergerichtes ab dem Jahr 1303 bis 1849 nach dem Magdeburger Recht, zuletzt als königliches Land- und Stadtgericht, ausübte, bekannt. Eine letzte Hinrichtung durch den Feuertod fand am 01.08.1715 auf dem Markt von Wittichenau statt. Das Gefängnis mit seiner Folterkammer befand sich in jener Zeit im Eckhaus des Marktes, Ecke Sorauerstraße (heute Adler-Apotheke), gleich gegenüber des Rathauses, bevor ein weiteres Gefängnis mit Gerichtsdienerwohnung auf Höhe des ehemaligen Bautzner Tores in der  Bautzner Straße entstand.  

Johann von Schadowitz handelte hier im letzten Viertel seines Lebens mit den Produkten seines Vorwerkes Särichen (heute Groß-Särchen) genauso gern, wie er nach so manchem heiligen Messopfer in der Pfarrkirche die am Markt angrenzenden Wirtshäuser und Bierschankstuben aufsuchte und hier mit Geschichten aus seinem Leben, mit Späßen und so manchen Gaukeleien die Zuhörer unterhielt. Für ihn spielte in den letzten Jahren seines Leben der Markt- und der Viehhandel, im speziellen aber auch der Pferdehandel, eine große Rolle. Er bedeutete für ihn Sicherheit und Einnahmen, die er auf seinem Vorwerk wiederum anders einsetzen konnte. Und so handelte er nicht nur mit Schlacht- oder Lebendvieh, sondern auch mit anderen Produkten seines herrschaftlichen Gutes, darunter auch die am kurfürstlichen Hof beliebten Lausitzer Karpfen, auf vielen Märkten seiner Standesherrschaft Hoyerswerda oder der umliegenden Region. Er war dabei so erfolgreich, dass er zum Hoflieferanten für den kurfürstlich-sächsischen Hof aufstieg. Seine ihm zugestandenen Privilegien (Zollfreiheit) in seiner Handelstätigkeit führten leider auch einmal dazu, dass ihn später ein sehr beflissener Kamenzer Zollbeamter aus Unkenntnis dieser Privilegien beim Oberhauptamte in Bautzen und beim Kurfürsten in Dresden wegen angeblicher Zollhinterziehung und Schmuggelei anzeigte und dafür seinen Denunziantenanteil aus der kurfürstlichen Kasse verlangte. Eine entsprechende schriftliche Anzeige existiert noch heute in den erhalten gebliebenen Archivalien.

Wir können heute schlussfolgern, dass Wittichenau mit seinem Markt als Zentrum für Johann von Schadowitz nicht nur sein Lieblingsstädtchen in der Lausitz, sondern auch ein Stück Heimstadt war. Er wünschte sich hier einen Altersruhesitz, der ihm schließlich seitens des Kurfürsten mit der Schenkung des in der Nähe der Stadt befindlichen Vorwerkes Särichen (heute Groß-Särchen) erfüllt wurde.