Kaum eine Sagengestalt fasziniert so viele Menschen, wie der sorbische Zauberer KRABAT, der sogar einer ganzen Region – der KRABAT-Region zwischen Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen – seinen Namen gibt.

Wer war dieser KRABAT?

Wie kommt es, dass sich die Menschen über Jahrhunderte Geschichten über KRABATs gute Taten erzählen?
Mercin Nowak-Neumann berichtet in seinem Kinderbuch „Meister Krabat, der gute sorbische Zauberer“, dass KRABAT als Stiefsohn eines Hirtes in Eutrich (sorbisch: Jitk) nahe Königswartha aufgewachsen ist. Als Sohn armer Eltern musste er bereits als Kind mit Gängen auf den Markt oder dem Gänsehüten mit für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Schon in jungen Jahren zog es ihn von seinem Dorf weg und so landete er schließlich in einer Mühle bei Schwarzkollm (sorbisch: Čorny Chołmc), von der man sagte, dass man dort neben dem Müllerhandwerk auch das Zaubern lernte. KRABAT war wissbegierig und unerschrocken und so weihte ihn der Müller in die Kunst der „Schwarzen Magie“ ein. Doch KRABAT widerstrebte allem Bösen und besiegte durch die Liebe seiner Mutter den Müller. 

Und hier beginnt die Geschichte des guten Zauberers, der besonders den armen Menschen in der Lausitz viel Gutes tat und den Reichen manchen Streich spielte. Seine Großherzigkeit erlebte auch der Sächsische Kurfürst August der Starke, den er aus der türkischen Gefangenschaft befreit haben soll. Als Dank schenkte dieser ihm das Vorwerk in Groß Särchen (sorbisch: Wulke Zdźary) als Alterssitz. Die ihm dienenden Bauern behandelte KRABAT stets gut, machte aus brachliegendem Land fruchtbare Äcker, legte Teiche an und legte Sümpfe trocken. 

Die Sagengestalt KRABAT
…inspirierte zahlreiche Schriftsteller und Kunstschaffende. Ottfried Preußlers Jugendroman „Krabat“ wurde weltweit in 37 Sprachen übersetzt. Der sorbische Schriftsteller Jurij Bresan schrieb u. a. das Buch „Die schwarze Mühle“ und letztendlich nahm Regisseur Marco Kreuzpaintner die KRABAT-Sage zum Anlass und brachte 2016 „KRABAT“ auf die Kinoleinwand.

Der Mythos KRABAT
…ist in der zweisprachigen KRABAT-Region allgegenwärtig. Entlang des ca. 90 km langen KRABAT-Radweges erzählen handgemalte Schautafeln spannende Episoden aus der Sage.  In KRABATs Vorwerk in Groß Särchen, in der KRABAT-Milchwelt in Kotten und KRABAT-Mühle in Schwarzkollm mit ihrem umfangreichen Programm ist der Geist KRABATs zu spüren. Die 2018 erschienene Neuauflage der KRABAT-Radwegebroschüre zeigt entlang des Radweges sehenswertes und genüssliches.

Führung Krabatstele

Johann von Schadowitz, der wirkliche KRABAT?

Es ist schon eine Besonderheit, dass die Sagengestalt KRABAT historisch belegbar ist. Dank der jahrelangen Recherche des Wittichenauer Genealogen und KRABAT-Forschers Hans-Jürgen Schröter konnte eine Verbindung zwischen dem kroatischen Obristen Johann von Schadowitz (hr: Janko Šajatović, 1624–1704) und den mystischen guten Zaubermeister KRABAT hergestellt werden. 

Schadowitz, nach dem Totenbuch von Wittichenau 1624 in Agram (heute Zagreb) in Kroatien geboren,  wuchs in Sichelberg (hr: Žumberak) auf, absolvierte eine Ausbildung bei den Jesuiten und trat danach in den Militärdienst ein. Später diente er über dreißig Jahre als berittener Leibgardist treu und ergeben am kurfürstlich-sächsischen Hof in Dresden seinen Kurfürsten. Als Dank und aus Anerkennung für seine geleisteten Dienste übertrug man ihm mit dem Erreichen seines Pensionsalters 1691 das Vorwerk in Groß-Särchen als Altersruhesitz. 

Mit seiner Klugheit und wohlbedachten Güte verblüffte er in der Zeit seiner Gutsherrschaft die Särchner Kleinbauern und Häusler derart, dass er Achtung und Anerkennung erntete. Noch nie hatten sie einen Gutsherrn erlebt, der so milde, hilfsbereit und freundlich zu ihnen war, ihnen beistand und für ein gemeinsames Auskommen Sorge trug. 

Johann von Schadowitz war ein dem Christentum zutiefst verbundener Gottesmann. Zweimal am Tag, morgens und abends, soll er die Wittichenauer Kirche für seine Gebete aufgesucht haben. Überliefert ist eine tiefe Freundschaft mit dem damaligen Wittichenauer Pfarrer A.A. Hausch und den hier lebenden Sorben und Wenden. 

Nach seinem Tod am 29. Mai 1704 wurde er am 2. Juni desselben Jahres, bei Abhaltung einer deutschen Predigt über sein Leben, im Mittelgang der Kirche „unterhalb des Presbytorij am Gläckel“ ehrenvoll begraben. An dieser Stelle zeugt heute eine entsprechende Gedenktafel von diesem traurigen und heute immer noch denkwürdigen Ereignis.

Buch-Tipp:

Ottfried Preußler
„Krabat“ – Jugendroman
Link zum Buch

Mercin Nowak-Neumann
„Meister Krabat“ – Sage für Kinder
Link zum Buch 

Jurij Bresan
„Die schwarze Mühle“
Link zum Buch

Dr. Susanne Hose
„Erzählen über Krabat. Märchen, Mythos und Magie.“ 

Film-Tipp:

Der Film
„KRABAT“
Zum Film

Hier können Sie den KRABAT-Radwege-Flyer in folgenden Sprachen herunterladen:

deutsch

Weitere Sprachen:
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