Die Pfarrkirche unserer Katholischen Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt Wittichenau liegt im Zentrum des alten Ortskern der Stadt und ist mit einigen ihrer 600 Jahren alten Bauteile wohl das älteste hier noch vorhandene Gebäude. Die erste hölzerne Kirche, die um das Jahr 1000 am selbigen Standort existiert haben soll, wurde um 1230 durch einen teilweise massiven Nachfolgebau durch die Herren von Kamenz als pfeilerlose quadratische Halle ersetzt und 1429 durch die Hussiten zerstört.
Ab 1429 wuchs unsere Pfarrkirche als massiver Neubau und von Jahrhundert zu Jahrhundert mit immer größeren notwendigen Veränderungen und Erweiterungen heran, bis sie schließlich die heute vollendete Bauform und ihr heutiges Aussehen erreichte.

Brände, Kriegsereignisse, der wachsende Platzbedarf, aber auch notwendig gewordene Erhaltungsmaßnahmen, Renovierungen und Modernisierungen sowie Sicherheits- und Nützlichkeitsgründe bestimmten die Baugeschichte der Pfarrkirche, die unter gewaltigen Opfern, vielerlei Spenden und Zuwendungen, aber auch hingebungsvoller Arbeit ihrer Gemeindemitglieder und vieler Fachleute bis in die Gegenwart erbracht wurden und noch werden. Sie ist Innen wie Außen als geistliches Zentrum Ausdruck des starken Glaubens der hier lebenden katholischen Bevölkerung und ihrer Freunde.
Weithin aus allen Himmelsrichtungen sichtbar, ragt der Turm und das Kirchendach über die Häuser der Stadt Wittichenau hinaus. So auch schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert, als der in Kroatien geborene kurfürstlich-sächsische Gardist der berittenen Leibgarde Kroaten seiner Majestät des sächsischen Kurfürsten, Johann von Schadowitz (kroatisch: Janko Šajatović; sorbisch: Jan Šajatović), den kleinen katholischen Kirchort Wittichenau für sich entdeckte. Ursächlich hierfür waren Anweisungen des Kurfürsten aus den Jahren 1691 bis 1669, welche den katholisch-gläubigen Hofpersonal vorschrieb, ihren Glauben in den Gotteshäusern der katholisch gläubigen Gemeinden des Markgrafentum der Oberlausitz auszuführen. Und so kam es, dass Johann von Schadowitz, wann immer er auf den kurfürstlichen Reisen in der Standesherrschaft Hoyerswerda unterwegs war, auch die Kirche in Wittichenau besuchte.
Seit etwa Mitte der 1660-er Jahre war er hier regelmäßig für sein heiliges Messopfer zu Gast und bekam im späteren Pensionsalter sogar rechts vor dem Hochaltar in den früheren Magistratsbänken seinen angestammten Platz zugewiesen.
Für die Wittichenauer Kirchgemeinde trat er als großzügiger Wohltäter und Spender auf. So ließ er 1693 in der Taufkinderhalle auf seine Kosten den Ölberg aufstellen und die Hallendecke al fresco malen, lieferte 1693 Bauholz für den Keulaer Chor und das Pfarr-Decem-Viertel sowie für das durch Brand 1701 beschädigte Kirchendach und den Kirchturm, beschenkte außerdem die Kirche mit seiner Galaschabracke und einer Ampel für das Heilige Grab.
Nach den Stadtbränden seiner Zeit unterstützte er die Kirche, die abgebrannten Bewohner und die Stadt selbst mit Geldmittel, Baufuhren und Handwerksdiensten auf seine Kosten.
Schadowitz verkehrte gern und wann immer er in der Region weilte mit den damaligen Pfarrern Nikolaides und Serbin, pflegte aber auch eine enge Freundschaft zum damaligen Pfarrer Adam Hausch, weswegen er auch eine geachtete Person der Wittichenauer Bürger wurde.
Im April des Jahres 1700 spendete er wegen eigener Verhinderung einem armen Wittichenauer wendischen Bürger die Teilnahme an der Wallfahrt des Stadtkaplans Peter Dubenka nach Rom zu dem vom Papst Innozenz XII. ausgeschriebenen großen Jubelablasse.
Der Volksmund berichtet außerdem, dass es Schadowitz verstand, die Leute zu unterhalten, in Staunen zu versetzen und mit allerlei Taschenspielertricks zu verzaubern.
Als angesehene fromme Persönlichkeit wurde er nach seinem Tode am 02. Juni 1704 mit einer äußerst seltenen deutschen Leichenpredigt und dazu noch im Mittelgange vor dem damaligen Hochaltar auf Höhe des Wandlungsglöckchen beerdigt. Hoch über seinem Grab erhob sich auf einem zwischen dem Marien- und Krippenaltar befindlichen Balken ein Denkmal einer hölzernen lebensgroßen Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz und zu seinen Seiten Mutter Maria und Jünger Johannes. Diese beiden Figuren „Maria unterm Kreuz“ und „Johannes unterm Kreuz“ zieren heute die rechte und linke Säule, die den Altarraum von den Sitzbänken der Kirche räumlich trennt.
Wie der Volksmund berichtet, soll die Trauerprozession lang und die Kirche voll gewesen sein. Evangelische wie katholische Sorben als auch deutsche Mitbürger zollten ihren Respekt und betrauerten Ihren Kroaten, den sie liebevoll, wegen seiner Herkunft, nur kurz KRABAT nannten.
Man kann durchaus annehmen, dass diesem Adeligen und kurfürstlich-sächsischen Gardeobristen eine Trauerzeremonie zu Teil wurde, wie sie andere Adelige in unserer Region in jener Zeit des Übergangs vom 17. zum 18. Jahrhundert erhielten. Ein in Trauertuch gehülltes Pferdefuhrwerk mit dem Verstorbenen, vor ihm voran ein Kreuzträger, seitlich begleitend Edelknaben mit brennenden Kerzen, gefolgt von einem Freuden- und einem Trauerpferd, dessen Reiter jeweils eine Fahne mit dem Adelswappen des Verstorbenen trugen, danach die Pfarrer der Kirchen beider Konfessionen, vielleicht auch ein Vertreter des kurfürstlichen Hofes in höfischer Tracht und ein Vertreter der Standesherrschaft Hoyerswerda, der Adel der Nachbarorte, die Dienerschaft, die Pagen und die Menge der Dorfbewohner Särchichens (heute Groß-Särchen), Wittichenaus und anderer Orte der Umgebung. In der Kirche selbst folgte der Gottesdienst mit der Predigt, danach schloss sich der recht ausführliche Lebensverlauf des Verstorbenen an. Danach folgte ein Gebet und der Segen, bevor der Verstorbene vor dem Altar in seine letzte Ruheplatz eingebettet wurde.
Während der großen Kirchenrenovation 1933 bis 1935 wurde am 03.Juli 1933 das Grab im Beisein vieler Neu- und Wissbegieriger geöffnet und die aufgefundenen Gebeine durch den damaligen Kaplan Erich Scholtyssek fotografiert und wieder beigesetzt. Schon zuvor, als man an dieser Stelle 1795 den Pfarrer Georg Brückner begrub, fand man dort noch den Degen des Obristen.
In der Nähe seines Grabes wurde später, auf Initiative des Pfarrer Morawietz (Pfarrer von 1972-1995) und des Orgelspielers Vitus Rademacher und seiner Frau Maria, zum Gedenken an der linken Säule mit der heiligen Veronika eine Messingtafel mit dem, sich von anderen Einträgen im Totenbuch abhebenden, Sterbeeintrag des Schadowitz angebracht.
Die Pfarrkirche „St. Mariä Himmelfahrt“ pflegt mit dieser Gedenktafel das Andenken an seine Person nicht als „Zauberer“ sondern vielmehr als angesehene und fromme Persönlichkeit, „denn sonst wäre er nicht mit einer damals äußerst seltenen Leichenpredigt und dazu noch in der Kirche am Wandlungsglöckchen beerdigt worden. Auch die Eintragung im Totenbuch hebt sich von den anderen Eintragungen ab“.
Auch wenn Johann von Schadowitz nur die letzten 13 Jahre seines Lebens im alten Vorwerk des Nachbarortes Groß-Särchen ansässig war, so hat er es doch durch seine Taten verstanden bis heute im Gedächtnis der Menschen unserer Region und unserer Stadt Wittichenau zu bleiben.