Die Geschichte der Mühlen in und um Wittichenau ist mindestens genauso alt, wie die Stadt selbst. Sie wurde bestimmt von wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Region, vom Wind des Lausitzer Heidelandes, vom Wasser des Schwarze-Elster-Fließes und von den vielen Feuersbrünsten, die die Stadt und das Umland heimsuchten.
Wann die erste Stadtmühle am Fließgraben der Schwarzen Elster in Wittichenau erbaut wurde, ist heute nicht mehr mit Bestimmtheit festzustellen. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass es sich bei den Im Zinsregister des Klosters Marienstern für das Jahr 1370 nachgewiesenen Mühlen um die heute bekannte Mühlenstandorte der Kletschke- oder Untermühle, der Stadtmühle (neben der bekannten und heute nicht mehr existierenden Mittelmühle auch als Mittelmühle bezeichnet) und der Kober- oder Obermühle handelt. Ein gewisser „Henczelinus Nowiz“ könnte hier demnach im 14. Jahrhundert der Besitzer oder aber der Stadtmüller der Stadtmühle gewesen sein. Bewiesen ist es mangels weiterer auskunftsgebender Nachweise jedoch nicht.

Die ersten gesicherten heute noch feststellbaren Nachweise eines Stadtmüllers in Wittichenau gehen zurück in die Mitte des 17. Jahrhunderts, wo um 1645 als Stadtmüller ein Georgius Kotzerg Erwähnung fand. Weitere Nachweise sollten in den pfarramtlichen Matrikelbüchern der Katholischen Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt ermittelbar sein, deren Taufbücher 1642 und deren Trauungs- und Totenbücher 1684 beginnen.
Ein gesichert feststellbarer Nachweis der Stadtmühle selbst gelingt aber schon für das Jahr 1604, in welchem der „hiesigen löblichen Schuhmacherinnung“ ein Privileg erteilt wurde, dass die Errichtung einer Lohstampfe bei der Stadtmühle gestattete. Mithin hat also die Stadtmühle als Gebäude bereits mit Beginn des 17. Jahrhunderts bestanden. Dieses Mühlengebäude das zur damaligen Zeit längs zum Mühlgraben. mit zwei Wasserrädern, eines für zwei Mahlgänge und ein weiteres für eine Hirsestampfe, in ortsüblicher Holzbauweise errichtet war, ist jedoch durch den Stadtbrand von 1780 vollständig zerstört worden.
Man kann wohl aber davon ausgehen, dass dem damaligen Besitzer der herrschaftlichen Mühle im Vorwerk Särichen, heute Groß-Särchen, Johann von Schadowitz, diese und andere Mühlen der Regionen um die Standesherrschaft Hoyerswerda durchaus bekannt waren und er vielleicht sogar persönlichen Kontakt mit einigen hiesigen Mahlmüllern und Mühlenmeistern hatte. So weiß man heute, dass Schadowitz in den ersten Jahren seiner Pensionierung die nähere Region um seinen Altersruhesitz zum Zweck des Sammelns von Erfahrungen und des Informationsaustausches in verschiedenen Belangen mehrfach bereiste, aber auch gern mit dem hiesigen Pfarrern und den Einheimischen bei so manchem Gläschen Bier oder Wein plauderte.
Die zahlreichen Wassermühlen an der Schwarzen Elster und ihren Nebenarmen waren eine existentielle Notwendigkeit der Region ganz so, wie es die zahlreichen Wassermühlen in der Heimat des Schadowitz, der kroatischen Sichelberg-Region, auch waren. Schadowitz kannte das Mahlhandwerk aus seiner Jugend- und Studienzeit nur zu gut. So soll er sich, wie seine Lehrkammeraden auch, als Absolvent der oberen Gymnasialstufen des Jesuitengymnasiums in Agram seinen Lebensunterhalt während seiner Ausbildung mit entsprechenden Gesellen-, aber auch mit Pandurendiensten für reiche Kaufleute selbst verdient haben.
Nach dem großen Stadtbrand von 1780 erhielt die Stadt eine Geldbeihilfe von 1500 Thalern aus der kurfürstlichen Rentkammer, mehrjährige Steuerbefreiungen, Bauholz für den Wiederaufbau und vieles mehr. Für den Wiederaufbau der Stadtmühle aber nahm die Stadt eine Hypothekensumme von 800 Talern auf.
1781 begann man mit dem Wiederaufbau der Stadtmühle, diesmal aber quer zum dortigen Elstergraben, jedoch auch wieder mit zwei Wasserrädern für die beiden Mahlgänge und eine Hirsestampfe. Wie lange der Wiederaufbau dauerte, ist nicht bekannt. 1788 stellte man fest, dass von 236 abgebrannten Häusern nur noch 10 Häuser unaufgebaut waren.
Gesichert ist, dass mit dem 09. Mai 1816 die Erbpachtrechte einem Johann Salo(w)sky übertragen wurden, der sie am 27. April 1831 an Jacob Graf, dem Sohn des in der Stadtmühle arbeitenden Mahlmüllers Martin Graf verkaufte. Jacob Graf wurde damit im Alter von nur 22 Jahren Mühlenmeister der Stadtmühle Wittichenau. Nach seinem Tode folgte ihm in der Funktion des Stadtmüllers sein Sohn Franz Graf und schließlich dessen Sohn Max Graf nach. Franz Graf kaufte zudem 1871 die Walke dazu.
Max Graf stellte 1922 die Mehlherstellung ein, nutzte aber die Mühlentechnik noch bis 1940 zur Schrotherstellung.
Mit dem Tode des Max Graf am 1. Mai 1945 und der Heirat seiner Tochter Margarete mit Johannes Kockert endet die alte Mühlengeschichte und die Neue begann zu wachsen. Und obgleich zwischenzeitlich einige Gebäudeteile mangels Sanierung verfielen und andere Teile vorübergehend als Jugendclub genutzt wurden, beschlossen der Enkelsohn von Margarete Graf mit dem Einvernehmen seiner Familie, mit der Stadt Wittichenau, dem Denkmalschutz und mit Unterstützung vieler regionaler Firmen und Freunde dieses als zweitältestes Haus der Stadt bekannte Anwesen zu retten und zu erhalten. Seit 2020 wird nun verstärkt mit dem Ziel gewerkelt und saniert, nicht nur ein altes Mühlengebäude auferstehen zu lassen, sondern auch ein touristischen Anziehungspunkt zu schaffen, an dem man Stadt-, Mühlen- und Krabat-Geschichte gleichermaßen erleben kann.